Berufsbegleitende Erzieher-Ausbildung

"Jetzt oder nie"

Die vierfache Mutter Birke Paustian-Voß macht eine berufsbegleitende Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bei der Diakonie Alten Eichen. Im Interview spricht die 48-Jährige über ihre Freude an der Arbeit mit Kindern und die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familienleben.

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Warum haben Sie sich mit 46 Jahren für eine Ausbildung zur Erzieherin entschlossen?

Den Wunsch, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, gibt es schon sehr lange in mir. Direkt nach der Schule habe ich zwei kaufmännische Ausbildungen gemacht. Ich bin gelernte Speditionskauffrau und Fremdsprachenkorrespondentin. Nach kurzer Dauer im Berufsleben habe ich dann jedoch überlegt, Sozialpädagogik zu studieren, da meine Interessen mich immer wieder in diese Richtung gelenkt haben. Getan habe ich dieses nicht, da sich mein erstes Kind ankündigte. Insgesamt habe ich vier Kinder bekommen und bin nach den Elternzeiten immer in meine erlernten Berufe zurückgekehrt, mal als Chefsekretärin, mal als Speditionskauffrau, dann habe ich eine Zeit lang am Hamburger Containerhafen gearbeitet. Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass ich eigentlich etwas ganz anderes machen möchte.

Und wie sind Sie mit dieser Erkenntnis umgegangen?

Es war damals klar: Jetzt oder nie! Meine zwei jüngsten Kinder waren damals in einem Tagespflegeverbund in Hamburg. Dort habe ich ab und an die Vertretung übernommen, was mir großen Spaß gemacht hat. Ich habe dann den Tagespflegeschein gemacht und nebenher als Tagesmutter gearbeitet. Aber irgendwann kam der Tag, an dem ich wusste: Ich möchte gar nicht mehr ins Büro gehen und nur noch mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Meine Entscheidung fiel dann für die berufsbegleitende Ausbildung, in der ich Theorie und Praxis direkt verbinden kann - und gleichzeitig fällt mein Anteil am Familieneinkommen nicht weg.

Wie lassen sich Familienleben und Ausbildung unter einen Hut bringen?

Man braucht ein gutes Zeitmanagement. Man muss ja Beruf, Familienleben und die Anforderungen der schulischen Ausbildung unter einen Hut bekommen. Ich muss mich auf die Klausuren und Prüfungen vorbereiten und neben meinem Beruf in der Großtagespflegestelle genauso Haus- und Facharbeiten schreiben, für meine eigene Familie da sein mit all meinen Aufgaben. Deshalb versuche ich, meinen Alltag und somit auch den Alltag meiner Familie sehr zu strukturieren. An drei Tagen in der Woche arbeite ich selbstständig als Tagesmutter in einer Großtagespflegestelle. Montag, Dienstag und Mittwoch für jeweils acht Stunden. Am Mittwochabend habe ich dann abends noch vier Stunden Schule. Das ist wirklich der härteste Tag. Donnerstag und Freitag bin ich komplett in der Fachschule für Sozialpädagogik.

Wie alt sind Ihre Mitschülerinnen?

In unserer Ausbildungsklasse sind alle Altersklassen vertreten. Von 20 bis 59 Jahren. Das ist sehr spannend, da die Einzelnen auch in verschiedenen sozialpädagogischen Einrichtungen arbeiten, was unseren Unterricht sehr bereichert. Generell empfinde ich die Verbindung von Theorie und Praxis als einen großen Vorteil der berufsbegleitenden Ausbildung. Man versteht manch theoretischen Ansatz einfach viel besser, wenn man ihn gleich bei der Arbeit auch erlebt.

Wie hat ihre Familie auf Ihre Entscheidung reagiert?

Meine Familie war sprachlos. Das konnten sie sich gar nicht vorstellen, dass ich nochmal bei Null anfange. Aber jetzt finden es alle toll. Vor allem, weil ich einfach zufriedener bin und mehr Freude ausstrahle. Ich mache endlich das, was ich schon immer machen wollte. Es war aber auch klar, dass ich mit meinen vier Kindern keine Vollzeitausbildung anfangen kann. Deshalb habe ich mich für die berufsbegleitende Ausbildung bei der Diakonie Alten Eichen entschieden.

Würden Sie diese Entscheidung wieder so treffen?

Auf jeden Fall! Ich persönlich kann diese Art des Ausbildung sehr empfehlen, weil sie eben Theorie und Praxis verbindet, was viele Vorteile birgt, und gleichzeitig ein Einkommen vorhanden ist. Und wenn die Familie mitspielt, dann ist das alles zu schaffen.

 

Text: Daniela Singhal