Ergotherapeut/in

Dannica (28)

„Ich verbinde die Arbeit mit Menschen und Kreativität.”

Dannica lernt an der Wannsee-Schule in Berlin.

Ergotherapeuten machen Menschen selbstständiger

Profilbild Lisa
© privat

Ergotherapeutin Lisa: "Ich interessiere mich für den Körper und die Seele."

Eine halbe Stunde am Tag übt Lisa mit Jens rechnen. In einer Behindertenwerkstatt betreut sie den Mann mit Down-Syndrom. Ihr Job ist es, dafür zu sorgen, dass Jens im Alltag besser klarkommt. "Im Moment guckt er nicht nach Autos, bevor er über die Straße geht", erklärt Lisa. "Ich übe auch das mit ihm." Ein genauso wichtiges Ziel der Ergotherapie: Menschen mit Behinderung fit für einen Beruf zu machen, der zu ihnen passt.

Dass "die Ergos nur basteln", wie gerne gelästert wird, ist totaler Quatsch. "Wir zeigen Patienten mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen wie sie sich selbst helfen können", sagt Marc Roders. Er ist Ausbildungsleiter an der Ergotherapieschule in Lippoldsberg, wo Lisa lernt. "Nach der Therapie sind sie viel weniger auf ihre Angehörigen, Betreuer oder Pfleger angewiesen."

Für einige Fälle lernt Lisa spezielle Therapien kennen: für Kinder, die Probleme haben zu schneiden, einen Stift richtig zu halten oder sich zu konzentrieren. Für Schlaganfallpatienten, für psychisch Kranke und Suchtpatienten, die eine Beschäftigung suchen. Und für querschnittsgelähmte Patienten.

Auf einen Blick

  • Ergotherapeuten arbeiten in orthopädischen/psychiatrischen Kliniken, Suchtkliniken, Förderschulen, Praxen
  • Die Ausbildung dauert 3 Jahre
  • Voraussetzung: mittlerer Schulabschluss, teils auch Hauptschulabschluss plus 2-jährige abgeschlossene Berufsausbildung
  • Schulische Ausbildung: keine Vergütung
  • Berufseinsteiger/innen verdienen bei der Diakonie 2.250 bis 2.750 Euro

Passt der Beruf zu mir?

Mit Menschen in Berührung kommen

Ihr Praktikum in einer orthopädischen Klinik war für Lisa  eine sehr intensive Erfahrung: "Wenn jemand definitiv gelähmt ist, und kein Gefühl zurückkommt, ist das schon heftig, da muss man erst mal mit klarkommen." In Lippoldsberg hilft dabei eine Schüler-Supervision. Das sind regelmäßige Beratungsgespräche beim Psychologen oder Seelsorger während der gesamten Ausbildung.

"Man braucht in diesem Beruf schon eine gewisse innere Stärke", meint Ausbildungsleiter Marc Roders. Mit teilweise gelähmten Patienten, die ihre Arme noch bewegen konnten, hat Lisa anziehen geübt. "Richtig schön ist es, wenn Patienten, die anfangs nur liegen konnten, sich später aktiv im Rollstuhl bewegen!", erzählt die 23-Jährige von ihren Erfolgserlebnissen. Wenn die Nerven im Körper nicht zu sehr verletzt sind, kann die Beweglichkeit tatsächlich langsam wiederkommen.

Die Ausbildungsinhalte teilen sich in unterschiedliche Bereiche auf, dazu gehören Medizin, Psychologie, Pädagogik und das Praktikum beziehungsweise berufspraktische Semester. "Mir liegt besonders das Handwerkliche an dem Job", sagt Lisa. "Ich arbeite gerne in der Holzwerkstatt." Die 23-Jährige reitet auch gern. Später möchte sie darum vielleicht in der Tiergestützten Therapie arbeiten. Dabei werden Patienten mit Tieren zusammengebracht - und das tut ihnen oft erstaunlich gut.

Ausbildungsstätten-Suche