Fachliche Fortbildung

Rainer Fuchs (43)

"Durch Fortbildungen gewinne ich neue Perspektiven."

Rainer Fuchs (43) arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Diakon in Bayern. Dafür hat er eine Ausbildung zum Erzieher und eine theologische Zusatzausbildung absolviert. Nach vielen Jahren in der Kinder- und Jugendarbeit in Fürstenfeldbruck ist er 2016 zur Gemeinwesendiakonie "Evangelisch in Giesing" nach München gewechselt. Kürzlich besuchte er die fachliche Fortbildung "Generationen- und Altenarbeit".

Herr Fuchs, was ist Gemeinwesenarbeit im Stadtteil?

Als Diakon bin ich Sozialarbeiter und Theologe in einer Person. Gemeinwesenarbeit kümmert sich um die ganz praktischen Bereiche der Nachbarschaftshilfe und Nächstenliebe. Ich schaue: Wo gibt es Menschen im Viertel, die Hilfe brauchen? Welche Kooperationspartner existieren bereits im Stadtteil? Welche Arbeitsbereiche werden gut abgedeckt und wo müssen wir noch dringend neue Angebote schaffen?

Warum haben Sie eine Fortbildung zum Thema Generationenarbeit gewählt?

Das Thema demografischer Wandel kommt ja auch auf die Gemeinden in Bayern zu, nur eben zeitverzögert. Im Moment haben wir eher noch Zuzüge. Umso interessanter war es für mich, dass die Fortbildung in Sachsen stattfand, wo das Thema Überalterung schon viel präsenter ist als bei uns. Viele der Teilnehmer aus der Region hatten einen persönlichen Bezug zum Thema. Zum Beispiel, weil die eigenen Kinder in den Westen gezogen waren. Da wird die Angst vor der Einsamkeit im Alter schnell sehr konkret.

Wie war die Fortbildung aufgebaut?

Sie ging über zweieinhalb Jahre, in sechs Blöcken, die jeweils vier oder fünf Tage dauerten. Wir haben uns mit unseren eigenen biografischen Settings und Familienstrukturen beschäftigt und vor Ort viele Projekte studiert. Zum Beispiel Mehrgenerationenhäuser, die versuchen, Senioren, Kinder und Jugendliche in Bildungsangeboten zusammenzubringen. Eine Begegnung, die mich sehr beeindruckt hat, war der Besuch einer Dame aus dem Hospiz. Sie hat uns die Sterbebegleitung für sehr alte Menschen nähergebracht.

Wie wichtig finden Sie Fort- und Weiterbildungen?

Superwichtig. Ich halte gar nichts von dem Spruch: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr"! Durch Fortbildungen gewinne ich neue Perspektiven und profitiere vor allem von den Erfahrungen von anderen Kolleginnen und Kollegen. Ich würde sogar sagen, die Best Practice-Beispiele, wo man sich von anderen etwas abgucken kann, das bereits funktioniert, sind dabei das Wertvollste für mich.

 

Text: Diakonie/Kirsten Wenzel