Familienfreundliche Diakonie Deutschland

Profilbild Mirjam Roller
© privat

Mirjam Roller kümmert sich als Gleichstellungsbeauftragte um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Schon seit den 90er Jahren gibt es bei der Diakonie Deutschland eine AG „Familienfreundliche Diakonie“, seit 2014 trägt sie das Zertifikat zur Vereinbarkeit von Beruf und persönlicher Lebensgestaltung der Hertie Stiftung: „audit berufundfamilie“. „Als kirchlicher Arbeitgeber sehen wir uns in der besonderen Verantwortung, mit gutem Beispiel voran zu gehen“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Mirjam Roller und erklärt, welche konkreten Vorteile die Mitarbeitenden haben:

Unsere Mitarbeitenden können ihre Arbeitszeit selbst gestalten, Beginn und Ende sind in einem vorgegebenen Rahmen frei wählbar („Gleitzeit“). Überstunden werden per Zeiterfassung dokumentiert und können „abgefeiert“ werden. Wird ein Kind unter 14 Jahren krank, können unsere Mitarbeitenden fünf Kalendertage im Jahr bei vollem Gehalt zu Hause bleiben, bevor sie ein Attest vom Arzt vorlegen müssen und zum Kinderkrankengeld wechseln. Außerdem können sie bis zu drei Jahre unbezahlten Sonderurlaub für die Betreuung eines minderjährigen Kindes oder die Pflege von Angehörigen beantragen. Alternativ können sie die Arbeitszeit reduzieren, ohne den Anspruch auf Rückkehr auf die volle Stelle zu verlieren. Auch Job-Sharing ist möglich.

Das Thema „Familienbewusste Führung“ ist in unser Führungsleitbild integriert, unsere Führungskräfte werden intensiv dazu fortgebildet. In Jahresgesprächen mit den Mitarbeitenden sollen sie beispielsweise fragen, ob es Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen gibt, und gemeinsam mit den Mitarbeitenden Lösungen suchen. In familiären Notsituationen sollen sie mobiles Arbeiten (Home Office) möglich machen.

Unser „Leitfaden für pflegende Angehörige“ erklärt unseren Mitarbeitenden, welche Unterstützung sie von uns bekommen können und welche gesetzlichen Möglichkeiten es gibt. In unserer „AG Pflege“ können Mitarbeitende, die Angehörige pflegen, ihren Unterstützungsbedarf formulieren, Ideen entwickeln und deren Umsetzung begleiten. Beim Pflegestammtisch in der Mittagspause treffen sich die Betroffenen, um sich auszutauschen. Beim Gesundheitstag haben wir eine Beratungsstunde mit einem Experten für pflegende Angehörige angeboten.

Im so genannten „Familienbriefing“, einer Rubrik in unserem Intranet, haben wir alle Informationen zum Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ zusammengestellt – sowohl für diejenigen, die sich um Kinder, als auch für diejenigen, die sich um pflegende Angehörige kümmern. Unter anderem gibt es dort eine Babysitterbörse oder einen Leitfaden, der Mitarbeitende beim Übergang in die Elternzeit und danach zurück ins Büro begleitet. Unsere „Dienstvereinbarung Kontaktpflege“ schreibt vor, dass Mitarbeitende, die wegen Elternzeit oder Sonderurlaub länger vom Arbeitsplatz fernbleiben, auf dem Laufenden gehalten und weiterhin im Team eingebunden werden.

In den Sommerferien bieten wir eine Ferienbetreuung für Kinder von Mitarbeitenden an. Es gibt eine Kinderzulage zum Gehalt. Im Notfall dürfen Kinder mit ins Büro gebracht werden, Spielekisten stehen bereit. Mitarbeitende, die Kinder haben, treffen sich zum Austausch beim Elternstammtisch in der Mittagspause. Im April bieten wir jährlich einen Girls‘ und Boys‘ Day für Kinder unserer Beschäftigten an. Für unsere diakonischen Einrichtungen entwickeln wir derzeit das „Gütesiegel Familienorientierung“, das sie in naher Zukunft beantragen können. So sehen Bewerbende auf einen Blick, wo sie auf besonders familienfreundliche Arbeitgeber treffen.

Nichts ist perfekt, und so haben auch wir noch Punkte, die wir verbessern wollen: Wir entwickeln ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ berücksichtigen soll. Für Mitarbeitende, die ihre Familie wegen langer Dienstreisen allein zurück lassen müssen, überlegen wir uns Unterstützungsmöglichkeiten. Wir verhandeln über Langzeitarbeitszeitkonten, auf denen ein Teil des Gehalts zum Beispiel für den vorzeitigen Ruhestand oder das Sabbatical angespart werden kann.

Lasse in der Ferienbetreuung

Profilbild Ehepaar Limbach

Lone Limbach, Mitarbeiterin in der Reisestelle

Nach dem ersten Schuljahr standen die ersten richtigen Sommerferien für unseren Sohn Lasse an. Drei Wochen verbrachten wir an der Nordsee, doch die Ferien dauerten noch drei Wochen länger. Was nun? Oma und Opa wohnen weit entfernt und befreundete Klassenkameraden waren im Urlaub. So nahmen wir das Angebot des Ev. Werks für Diakonie und Entwicklung an, Kinder im Werk betreuen zu lassen. Zu wissen, dass Lasse ganz in der Nähe war, war toll. Zu Mittag konnten wir uns sehen und erfuhren, wieviel Spaß er hatte. Der Wasserspielplatz war toll, Federball spielen hat er gelernt, Museumsbesuche wurden geplant. Es gab kein starres Programm wie im Hort. Die Kinder entschieden selbst, was unternommen werden sollte. Die Erfahrung, die unser Sohn mit den Kindern jeden Alters und jeder Herkunft gemacht hat, haben ihm eine neue Sichtweise gegeben: Jeder ist anders – und doch sind wir irgendwie alle gleich. Unser Sohn war sehr traurig, als die Zeit in der Betreuung vorbei war. Nächstes Jahr wird er wieder angemeldet – das hat er sich gewünscht!

Als Papa für die Familie da sein

Profilbild Werner Engel

Dr. Werner Engel, Abteilung Missionarische Dienste

In unserer Großfamilie mit vier Kindern überschlagen sich oft die unvorhersehbaren Ereignisse – von A wie allergische Reaktion nach einem Wespenstich bis Z wie Zahn an der Bettkante ausgeschlagen. Hier ist es von unschätzbar großem Wert, bei einem Dienstgeber beschäftigt zu sein, der flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten ermöglicht: Mal später kommen und länger bleiben, mal Wichtiges von zu Hause aus erledigen können, mal – nach einem sehr, sehr frühen Aufstehen – schon mit dem ersten Zug an den Arbeitsplatz und abends früher nach Hause. Ich bin froh und dankbar, dass das im Ev. Werk für Diakonie und Entwicklung so möglich ist.