Als Handerwerker/in in die sozialen Berufe? Ja klar!

Mann betrachtet Maschine mit Glasflaschen.
© Hans-Jürgen Kühl

Hans-Joachim Muxfeldt in der Abfüllstation von gut2.

Hans-Joachim Muxfeldt ist eigentlich Klempner und Installateur. Inzwischen arbeitet er seit 32 Jahren als Fachkraft für Arbeits-und Berufsförderung (FAB) bei der Hohenwestedter Werkstatt. Als FAB arbeitet er mit Menschen mit Behinderung zusammen und leitet sie dabei an, selbstständig ihrer Arbeit nachzugehen. Sein aktuelles Projekt heißt gut2. Seit 2015 wird hier aus einer Quelle Wasser gewonnen, abgefüllt und vor allem an Restaurants in der Umgebung verkauft.

Als Klempner in die soziale Arbeit? Für Muxfeldt ganz logisch: „Ein Kollege von mir hat in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet, so bekam ich erste Einblicke. Auch meine Frau hatte beruflich schon immer mit Menschen mit Behinderung zu tun. Irgendwann war dann zufällig eine Stelle bei der Hohenwestedter Werkstatt frei und ich habe mich beworben. Seitdem bin ich hier und sehr zufrieden.“

So oder so ähnlich klingen viele Geschichten von Handwerkerinnen und Handwerkern, die für die Diakonie in sozialpädagogischen Berufen arbeiten, erklärt Ingo Kruse von der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie: „Hier arbeiten viele Menschen, die eigentlich einen Beruf gelernt haben, der nicht direkt am Menschen ist. Mit bestimmten Weiterbildungen im pädagogischen Bereich können sie sich für Tätigkeiten in sozialen Arbeitsfeldern qualifizieren. Es gibt hier viele Angebote für Menschen mit Behinderung – viele davon sind handwerklich – und dafür braucht es dann natürlich auch fachkundige Unterstützung. Bei uns arbeiten unter anderem Meeresbiologen, Goldschmiede und Kaffeeröster. Die meisten hatten schon vorher eine hohe Affinität zur sozialen Arbeit und oft auch Bezug zu Menschen mit Behinderung, so dass sie dies in ihren Beruf miteinbeziehen wollten.“ 

Kaffee rösten in Eckernförde

Mann schenkt Kaffee in Tasse
© Christoph Rohde

Jan Drzewicki-Bode ist zertifizierter Kaffeeröster und Teamleiter in der Eckernförder Kaffeerösterei.

Einer der Kaffeeröster ist Jan Drzewicki-Bode. Er ist eigentlich Zimmermann und Tischler und hat 20 Jahre im Einzelhandel für Küchen gearbeitet. „Auch hier hatte ich immer viel mit Menschen zu tun. So eine Küchenberatung kann schon mal ein paar Stunden dauern“, erzählt er. Irgendwann beschloss er, dass er nicht bis zu Rente in einem Büro sitzen wolle. Wie Muxfeldt hatte er einen Freund, der in einer Wohngruppe als Fachkraft für Arbeits-und Berufsförderung arbeitete. Nach einem Besuch in dieser Wohngruppe wusste er: „Das ist das Richtige.“ Aufgrund seiner Rückenprobleme bezahlte die Rentenversicherung die Weiterbildung zur FAB und er begann sein Praktikum in der Wohngruppe. Schnell war klar, dass er lieber in der Werkstatt arbeiten möchte. Über Stationen in der Wäscherei und der Verpackung, kam er, zunächst nur als Krankheitsvertretung, in die Eckernförder Kaffeerösterei. Dort arbeitet er nun seit fünf Jahren und ist inzwischen Teamleiter. Vor einiger Zeit ließen sich die FABs der Rösterei dann auch offiziell zum Kaffeeröster zertifizieren. Bald beginnt die Ferienzeit – in dem angeschlossenen Café ist dann wieder Hochsaison – darauf freut sich Drzewicki-Bode jetzt schon.

Wege in die sozialen Berufe der Diakonie können ganz unterschiedlich verlaufen. In der Diakonie sind alle richtig, die gerne mit Menschen arbeiten wollen. Eine handwerkliche Ausbildung kann dafür auch der richtige Weg sein.