Jugend- und Heimerzieher/in

Gerhard (25)

„Herzlich sein gehört dazu.”

Gerhard lernt beim Mariaberg e.V..

Heimerzieher haben auch mit harten Fällen zu tun

Portrait von Heimerzieher Tim
© privat

Tim (20): „Der Beruf des Heimerziehers hat sich sehr verändert“

„Wir machen heute Käsespätzle!“, erklärt Tim (20). Fünf Mädchen und zwei Jungs aus der fünften bis siebten Klasse gucken ihn mit großen Augen an. Manche können nicht mal einen Apfel aufschneiden, weil sie sonst nur Fast Food essen. „Ich mag keinen Käse“, sagt einer. „Ich mag keine Spätzle“, sagt eine andere.

Tim macht die Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher an der Fachschule für Sozialwesen der Sophienpflege. Im zweiten Ausbildungsjahr ist er einmal die Woche im Praxiseinsatz in einer Realschule und leitet dort die Koch-AG. „Der Beruf des Heimerziehers hat sich sehr verändert“, weiß Dr. Elke Steinbacher, Schulleiterin bei der Sophienpflege, „durch die boomenden Ganztagsschulen sterben manche Angebote aus, zum Beispiel Tagesgruppen. Dafür tun sich neue Einsatzmöglichkeiten auf, wie eben in den Schulen.“ 

Nach wie vor ist ein Haupteinsatzfeld aber die Wohngruppe für Minderjährige, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr zu Hause leben können oder wollen. „Da hat der Heimerzieher kaum noch mit normal entwickelten Jugendlichen zu tun, bei denen die Eltern das Problem haben“, beobachtet Dr. Elke Steinbacher, „sondern immer mehr mit Jugendlichen, die selbst schon Psychiatrieerfahrung und massive Probleme haben.“

Auf einen Blick

  • Voraussetzung: je nach Bundesland mittlerer Schulabschluss, Vorpraktikum oder Erstausbildung im sozialen Bereich (z.B. Sozialassistent)
  • Heimerzieher arbeiten in Wohngruppen, Wohnheimen, Tagesgruppen, Jugendämtern, Beratungsstellen, Schulen
  • meist arbeiten Erzieher mit jüngeren, Heimerzieher mit älteren Kindern
  • Vergütung: sehr unterschiedlich, Ausbildung ist nicht in den Richtlinien für Ausbildungsvergütung aufgeführt
  • Berufseinsteiger/in bei der Diakonie verdienen: 2.428 bis 2.910 Euro (Stand 08/2018)

Passt der Beruf zu mir?

Überdurchschnittlich viele männliche Kollegen

Tim gibt offen zu: „Anfangs hatte ich Sorge, dass mich die Kids nicht ernst nehmen! Teilweise sind die Älteren aufmüpfig und die Jüngeren machen Quatsch.“ Aber es heißt nicht umsonst: „Liebe geht durch den Magen!“ Nachdem die Käsespätzle am Ende doch geschmeckt haben, wollen alle das Rezept haben. Heimerzieher Tim motiviert so ein Erfolg ungemein. „Man darf die heftigen Fällen nicht an sich ranlassen", sagt er. "Man kann die Kids ja nicht alle adoptieren!“

Wichtig ist es darum, dass im eigenen Leben alles soweit rund läuft. „Manchmal passiert es allerdings, dass sich während der Ausbildung Konflikte auftun, denn sie regt an, über sich selbst nachzudenken“, weiß Dr. Elke Steinbacher. Die Fachschule ist darauf vorbereitet und unterstützt die Azubis so gut sie kann. Zur Not können sie auch ein halbes Jahr Pause einlegen.

Wer Jugend- und Heimerzieher werden will, muss meist ein Vorpraktikum machen. In Wohngruppen ist er dafür zuständig, Förderangebote aus den Bereichen Musik, Sport, Kunst, Werken oder Sprachförderung auf die Beine zu stellen. Ausflüge, Feste und Ferienprogramme müssen organisiert und es muss mit Schulen, Ausbildungsbetrieben, Ärzten und Jugendämtern zusammengearbeitet werden. Azubis können hier mit mehr männlichen Kollegen rechnen als in anderen sozialen Berufen. Wichtig: Heimerzieher ersetzen nicht die Eltern der Kinder, die sie betreuen, sondern sind eine zusätzliche erwachsene Bezugsperson.

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