Logopäde/-in

Svenja (22)

„Büroarbeit war nie was für mich.”

Svenja lernt im Ev. Krankenhaus Alsterdorf in Hamburg.

Beim Logopäden übt man sprechen und schlucken

Portrait von Logopädin Tugce
© privat

Tugce (22) hat ihre Lieblingsbeschäftigung zum Beruf gemacht: Geschichten erzählen.

Zum ersten Mal erzählt der vierjährige Junge von ganz allein von seinem neuen Spielzeugbagger. Monatelang hatte er kein Wort rausgebracht. "Das ist der Kick!", freut sich Tugce. Die Logopädieschülerin an der Akademie für Rehabilitationsberufe in Hannover hat mit dem Kleinen gespielt und gebastelt und so ganz langsam sein Vertrauen gewonnen.

Als Logopäde arbeitest du mit Menschen in jedem Alter, die Probleme mit ihrer Stimme, beim Sprechen oder Schlucken haben. Tugce quatscht sowieso gern und eine schüchterne Person wäre in dem Job auch fehl am Platz! Manchmal muss sich die 22-Jährige bremsen. "Jedes Kind ist anders und lernt mit unterschiedlichem Tempo. Da braucht man Geduld." Themen in ihrer Ausbildungsinhalte sind Anatomie (Körperlehre) und Sprachforschung (Warum lispelt oder stottert man?).

Auf einen Blick

  • Voraussetzung: mittlerer Bildungsabschluss, teils Hauptschulabschluss plus 2jährige abgeschlossene Berufsausbildung im sozialen Bereich
  • Logopäden arbeiten in Krankenhäusern, Kindergärten, Reha-Kliniken, Praxen
  • Karriere: Fortbildung zum Atem-, Sprech- und Stimmlehrer
  • Schulische Ausbildung: keine Vergütung, Praktikumsvergütung im Anerkennungsjahr
  • Berufseinsteiger/innen bei der Diakonie verdienen 2.250 bis 2.750 Euro

Passt der Beruf zu mir?

Tugce träumt von einer eigenen Praxis

Tugces Eltern kommen aus der Türkei. Sie weiß: Der Mix aus Türkisch und Deutsch sorgt bei vielen Kindern für Stress, vor allem in der Schule. Weil es kaum zweisprachige Logopäden gibt, will sie die Marktlücke später nutzen und eine eigene Praxis eröffnen. Tugce baut sozusagen die Brücke zwischen den Sprachen und will jungen Türken mehr Selbstvertrauen geben. Viele türkische Kinder aus der Nachbarschaft wollen dann unbedingt zu ihr kommen!

Annja Bormann, Tugces Ausbildungsleiterin, weiß: "Wer als Logopäde arbeitet, muss flexibel sein." Therapiestunden am Wochenende oder am Abend sind vor allem in Kliniken keine Seltenheit. Das kann aber praktisch sein, wenn du keine Lust auf feste Arbeitszeiten hast und zwischendurch noch Zeit für Hobbys und Freunde einplanen möchtest. "Arbeitslose Logopäden gibt es kaum", so Bormann. Ihre ehemaligen Schüler haben Praxen in ganz Deutschland eröffnet. Und zwei haben es sogar bis nach Mallorca geschafft!

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