„Meine Talente für mehr als Geld und Zinsen einsetzen“

Neuer Direktor bei der DIAkademie

Michael Tobaben (49) ist seit Mai 2018 der neue Direktor der Diakonischen Akademie für Fort- und Weiterbildung in Moritzburg. Nach verschiedenen Stationen in der Wirtschaft als Referent für Organisationsentwicklung, Personalleiter und Leiter Personalentwicklung, hatte er eine neue Führungsaufgabe im sozialen Bereich gesucht.

Herr Tobaben, wie hat Ihr Weg Sie in die Diakonie geführt?

Nach dem Abitur habe ich meinen Zivildienst in einer Kirchengemeinde gemacht. Dort füllte sich der Begriff „Diakonie“ mit handfesten Erfahrungen über die Arbeit mit Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen. Mein Interesse war geweckt und begleitet mich seitdem in unterschiedlichster Form, zum Beispiel im ehrenamtlichen Engagement.

Hauptberuflich zog es mich nach Studien-Abschlüssen als Diplom-Verwaltungswirt und Diplom-Pädagoge zur Deutschen Bahn. Dort konnte ich in unterschiedlichsten Projekten und Rollen viel gestalten und manches über berufliche Bildung und Management lernen, aber auch als Führungskraft Menschen in schwierigen Situationen unterstützen. Auch die weiteren beruflichen Stationen beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung und dem Zentrum für internationale Friedenseinsätze sind rückwirkend betrachtend eine gute Vorbereitung für meinen Wechsel in die heutige Aufgabe gewesen.

Zum Jahresende 2017 habe ich mich gefragt, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle und wie ich meine Talente für mehr als Geld und Zinsen einsetzen kann. So kam mir in den Sinn, in die Diakonie zu wechseln.

Wie können Ihre Erfahrungen aus der Wirtschaft der Diakonie weiterhelfen?

In Kombination mit meiner christlichen Grundhaltung sind sie für die Diakonie ein Weg in die Zukunft. Bei meinem Arbeitsantritt wurde mir klar signalisiert, dass mein Außenblick einfließen soll. Diakonische Einrichtungen brauchen die wirtschaftliche Sicht, auch wenn das nicht der einzige Faktor sein darf – sonst wäre es nicht mehr die Diakonie. Aber sie steht nun einmal im Wettbewerb mit anderen Anbietern der Branche. Spannend ist die Frage, wie das diakonische Profil erhalten bleiben kann, während man gleichzeitig an wirtschaftlicher Denke aufholt.

Was macht eine gute Führungskraft aus?

Führen heißt visionär denken und kritisch beobachten. Tolle Ideen sind gut, aber man muss sich auch fragen: Ist das realisierbar? Und dabei darf eine gute Führungskraft nie vergessen, dass es Menschen sind, die Organisationen ausmachen. Vor dem Führen steht deshalb das Zuhören und Verstehen.

Bei welchen Themen werden Sie Schwerpunkte setzen?

Der Fort- und Weiterbildungsmarkt wird in zehn Jahren ganz anders aussehen als heute. Erstens können es sich viele Träger wegen des Personalmangels nicht mehr leisten, Fachkräfte zur Fortbildung zu schicken – wer leistet währenddessen die Arbeit? Und zweitens sind es die nachwachsenden Generationen gewohnt, digital zu lernen, und sie erwarten das auch von der Fort- und Weiterbildung. Ein wichtiges Stichwort ist Blended Learning, eine Kombination aus Präsenzveranstaltungen und Webinaren, die sich in der Fort- und Weiterbildung gut einsetzen lässt.

Text: Diakonie/Maja Schäfer