Pflegeausbildung nach dem Abitur

Pflegeheim statt Uni

Auch nach dem Abitur kann man eine Ausbildung machen. Gina (21) hat ihr Lehramtsstudium geschmissen, um Altenpflegerin zu werden – und es nie bereut! Inzwischen ist sie im 2. Ausbildungsjahr im Alexander-Stift der Diakonie Stetten.

© privat

Wann hast du dein Interesse für die Pflege entdeckt?

Beim Praktikum in der 9. Klasse. Das habe ich in einer Pflegeeinrichtung gemacht und es hat mir so gut gefallen, dass gleich ein Ferienjob daraus geworden ist. In den Schulferien habe ich die Bewohner geweckt und gewaschen und Zeit mit ihnen verbracht.

Sicher hat auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass meine Eltern ebenfalls medizinische Berufe haben. Daher kommt mein Interesse an medizinischen Themen. Gerade die gerontopsychiatrischen Themen wie Demenz finde ich richtig spannend.

Warum hast du zuerst einen anderen beruflichen Weg eingeschlagen?

Ich hatte Abitur gemacht und gedacht, danach sollte man an die Uni gehen. Also habe ich angefangen, Englisch und Deutsch auf Lehramt zu studieren. Aber ich bin in der Uni herumgelaufen wie Falschgeld. Also habe ich mich umentschieden, obwohl meine beste Freundin immer noch auf Lehramt studiert.

Wie haben deine Freunde und Familie darauf reagiert?

Ich bin ein Mensch, der sehr quirlig ist und sehr viel redet. Während des Studiums bin ich plötzlich ganz still geworden. Meine Familie hat gemerkt, dass mir das nicht gut tat, und ist stolz auf mich, dass ich mich selbst aus der Situation befreit habe. Alle haben gesehen, dass ich in die Pflege gehöre. Einen Beruf zu finden, der einem so sehr entspricht, ist so schön, das kann man mit Geld nicht aufrechnen.

Meine Freunde sehen es eher unter dem Aspekt, dass ich Geld verdienen wollte. Aber es wäre mir auch egal, wenn mich jemand kritisiert. Ich würde sagen: Mir ging es während des Studiums einfach nicht gut! Ich habe es versucht und am eigenen Leib erfahren, dass ich etwas anderes machen muss.

Was magst du an der Pflege?

Ich mag es, die Bewohner abends zuzudecken. Das ist so ein abschließender, beruhigender Moment. Sie liegen zufrieden in ihren Betten und ich habe alles getan, damit es ihnen an diesem Tag gut ging. Ich habe mich auch ganz bewusst für die Altenpflege und gegen das Krankenhaus entschieden, weil ich den unpersönlichen fliegenden Wechsel der Patienten nicht mag. Ich möchte Menschen lieber auf Dauer begleiten. Im Pflegeheim wiederholen sich die Situationen, man kann sich darauf einstellen. Am allerschönsten finde ich es, wenn ein Bewohner normalerweise wenig spricht und keine Mimik zeigt und es mir dann gelingt, ein seltenes Lächeln auf seine Lippen zu zaubern! Man muss sich da langsam herantasten und das Vertrauen erarbeiten. Mit Biografiearbeit zum Beispiel.

Das Alexander-Stift, wo ich arbeite, ist aber auch wirklich eine sehr gute Einrichtung, das kann ich mit einigem Vergleich sagen. Auch hier haben wir Pflegekräfte nicht unendlich viel Zeit, aber wir haben unsere Routinen, durch die manches schneller geht, damit für anderes mehr Zeit bleibt. Ich fand es gut, dass unser Träger beim Aktionstag Pflege der Diakonie mitgemacht hat und wir den Besuch von Diakonie-Präsident Ulrich Lilie gewonnen haben, weil wir an dem Tag die meisten neuen Pflegekräfte rekrutiert haben. Darauf bin ich stolz! Solche Aktionen schlagen Wellen, auch bei uns Pflegekräften.

Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor?

Ich bin gespannt, welche Veränderungen die generalistische Pflegeausbildung im Pflegealltag bringen wird. Die Idee klingt gar nicht schlecht! Ein Pflegestudium könnte ich mir auch noch vorstellen. Ich möchte vor allem mit Menschen zusammen arbeiten und bestenfalls in der Pflege, sei es als Pflegekraft, Heimleitung, Krankenpflegerin oder sogar Heilpraktikerin.

 

Text: Diakonie/Maja Roedenbeck Schäfer