Teilzeit- und berufsbegleitende Ausbildungen und Studiengänge

Sarah, 25, Dominik, 34, und Sandra, 38, machen eine berufsbegleitende Erzieher-Ausbildung beim Hephata Hessisches Diakoniezentrum. Von ihren Befürchtungen und Erfolgen rund um den Quereinstieg erzählen sie im Videointerview.

Sie absolvieren Ihre Ausbildung nicht gleich nach dem Schulabschluss, sondern erst, nachdem Sie eine Familie gegründet haben? Sie möchten nach Jahren der Berufserfahrung in einer anderen Branche den Quereinstieg in die sozialen Berufe wagen, während Sie gleichzeitig ihren Lebensunterhalt sichern müssen? Sie haben schon einen sozialen Beruf und möchten sich weiterbilden? Darum interessieren Sie sich für die verschiedenen neuen Ausbildungs- und Studienmodelle in Teilzeit, berufs- oder tätigkeitsbegleitend, berufsintegrierend, praxisintegriert oder dual, die auch wir bei der Diakonie anbieten. Hier erklären wir, was es damit auf sich hat.

Teilzeitausbildungen gibt es im Bereich Pflege oder Erziehung, und zwar in zwei verschiedenen Modellen. Die Teilzeitausbildung mit Verlängerung der Ausbildungszeit richtet sich an Personen, die einen Angehörigen pflegen oder Kinder betreuen und keine Zeit für eine klassische Vollzeitausbildung haben. Diese Ausbildung ist meist vier statt drei Jahre lang, die Arbeitsstunden in der Einrichtung liegen zum Beispiel in der Pflege bei mindestens 20 Wochenstunden, dazu kommt der Theorie-Unterricht. Bei der Teilzeitausbildung erhält man keine Ausbildungsvergütung, sondern eine Vergütung als Pflegehilfskraft für die Arbeitsstunden, die man ableistet.

Die Teilzeitausbildung ohne Verlängerung der Ausbildungszeit wie sie zum Beispiel bei der Hoffbauer Altenpflegeschule und beim Diakonischen Bildungszentrum Lobetal angeboten wird, bietet dagegen nicht unbedingt mehr Zeit für pflegebedürftige Angehörige oder Kinder. Hier bedeutet Teilzeit, dass man nur zwei Tage die Woche in die Schule geht und zusätzlich mindestens 25 Stunden als bezahlte Pflegehilfskraft festangestellt ist (während sich bei den  Vollzeit-Azubis mehrwöchige Theorie- und Praxisphasen abwechseln). Diese Teilzeit-Ausbildung dauert genauso lange wie die Vollzeit-Ausbildung, nämlich drei Jahre. Die Grenzen zur berufsbegleitenden Ausbildung sind fließend beziehungsweise werden die Begriffe teilweise unterschiedlich verwendet.

Berufsbegleitende Ausbildung bedeutet entgegen der Annahme mancher Quereinsteiger nicht, dass man in seinem alten Beruf zum Beispiel im Handwerk oder Einzelhandel weiterarbeitet, um Geld zu verdienen, und währenddessen einen neuen, sozialen Beruf erlernt. Sie richtet sich stattdessen an Quereinsteiger, die gleichzeitig im neuen Beruf arbeiten und lernen möchten, und an Personen, die schon in einer sozialen Einrichtung tätig sind und sich weiterqualifizieren möchten. Das können Erzieher sein, die sich zum Heilpädagogen ausbilden lassen, oder Pflegehelfer, die sich zur Pflegefachkraft ausbilden lassen, während sie weiter in ihrem Erstberuf arbeiten. Neben der schulischen Ausbildung sind sie weiterhin in ihrer Einrichtung berufstätig. Quereinsteiger können während der berufsbegleitenden Ausbildung noch nicht als Fachkräfte eingestellt werden, sondern als Assistenzkräfte und müssen meist vorübergehend mit weniger Geld auskommen als im vorherigen Beruf. Teilweise wird als Voraussetzung der Nachweis verlangt, dass die berufliche Tätigkeit, die die Ausbildung begleitet, im sozialen Bereich liegt, und dass eine Mindeststundenzahl (zum Beispiel 20 Stunden) erreicht wird. So bleibt auch bei der berufsbegleitenden Ausbildung nicht mehr Zeit für das Privatleben.

Die Grenzen zur Teilzeitausbildung sind fließend beziehungsweise werden die Begriffe nicht immer eindeutig verwendet. Tendenziell, aber nicht immer, liegt bei berufsbegleitenden Ausbildungen der Fokus darauf, dass man parallel lernen und praktisch arbeiten beziehungsweise Geld verdienen möchte. Bei der Teilzeitausbildung liegt der Fokus tendenziell darauf, Zeit zu reduzieren. Häufig sind die Arbeitgeber bei berufsbegleitenden Ausbildungen darauf eingestellt, relativ flexibel auf die Bedürfnisse der Auszubildenden einzugehen, was die Arbeitszeiten und die Erbringung von Leistungsnachweisen angeht. Auch die berufsbegleitende Ausbildung kann länger dauern als die Vollzeit-Ausbildung, so lernen zum Beispiel Erzieher im Hephata Hessischen Diakoniezentrum in Vollzeit drei Jahre, berufsbegleitend sind es dagegen dreieinhalb Jahre. Ein Vorteil für die Quereinsteiger ist, dass sie dort mit dem Mittleren Schulabschluss nicht noch die Basisausbildung als Sozialassistent vor dem Erzieher machen müssen, wenn sie schon mindestens zwei Jahre Erfahrung mit eigenen Kindern und einer eigenen Familie haben. Diese Voraussetzungen sind aber von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich.

Als duale Ausbildung bezeichnet man die klassischen Pflegeausbildungen, die aus wechselnden Theoriephasen in der Fachschule und Praxisphasen in der Ausbildungseinrichtung bestehen. Hier handelt es sich nicht um eines der neuen Ausbildungsmodelle und nicht um eine berufsbegleitende Ausbildung. Berufe, die man normalerweise nicht dual lernt und für die man normalerweise keine Ausbildungsvergütung bekommt (wie Erzieher oder Heilerziehungspfleger) können duale, praxisintegrierte oder berufsbegleitende oder Teilzeit -Ausbildung heißen, wenn sie eben doch wie die Pflegeausbildungen konzipiert sind – mit Blockunterricht und Praxiseinsätzen im Wechsel.

Die duale Erzieher-Ausbildung oder Heilerziehungspflege-Ausbildung wird manchmal auch praxisintegrierte Ausbildung (PIA) genannt. Sie wird angeboten, um Menschen den Einstieg in den Erzieherberuf zu erleichtern. Der klassische Weg, Erzieher oder Heilerziehungspflegerin zu werden, besteht aus einer zweijährigen Ausbildung an einer Fachschule und einem darauffolgenden Anerkennungsjahr. Bei einer praxisintegrierten Ausbildung dagegen finden die schulische Ausbildung und die praktische Ausbildung im wechselnden Rhythmus statt - wie sonst bei den Pflegeausbildungen üblich (siehe duale Ausbildung). Vorteil für die Azubis im praxisintegrierten Modell ist häufig, dass sie von Anfang an, und nicht erst im dritten Jahr, eine Ausbildungsvergütung bekommen.

Wer sich für ein duales Studium zum Beispiel in der Pflege entscheidet, absolviert parallel zum akademischen Studium eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger oder zum Altenpfleger. Zwischendurch arbeitet er phasenweise voll im Betrieb. Am Ende hat er einen Studienabschluss und einen Ausbildungsabschluss. Ein duales Studium macht man direkt nach der Schule, wenn man noch gar keinen Berufsabschluss hat.

Für ein berufsbegleitendes Studium dagegen entscheidet man sich meist später im Berufsleben, um sich weiterzuqualifizieren. Wenn man schon einen Bachelor-Abschluss hat, kann das ein berufsbegleitendes Masterstudium im selben Fach oder ein Management-Studiengang sein. Wenn man eine Fachkraftausbildung wie zum Beispiel Erzieher hat, könnte man ein berufsbegleitendes Bachelor-Studium der Elementarpädagogik, Heilpädagogik oder Ähnliches anschließen.

Das berufsintegrierende oder berufsintegrierte Studium ist eher wenig verbreitet. Die Ev. Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie des Rauhen Hauses in Hamburg bietet zum Beispiel einen berufsintegrierten Studiengang Soziale Arbeit & Diakonie an. Das bedeutet, dass  man nicht nur irgendwie neben dem Studium berufstätig ist, sondern dass der Praxis-Theorie-Transfer im Mittelpunkt steht. Die Studierenden erzählen aus der Praxis und reflektieren und theoretisieren ihre Erfahrungen im Seminar. Oder umgekehrt: Die Studierenden bekommen von die Aufgabe, eine Theorie, die sie im Studium behandelt haben, in der Praxis zu beobachten, zu erproben und zu reflektieren. Allerdings ist das auch bei vielen berufsbegleitenden Studiengängen so. Die Anbieter von berufsintegrierenden Studiengängen möchten das nur noch einmal betonen.

Für soziale Träger und Einrichtungen wird es immer interessanter, ihren Nachwuchs berufsbegleitend auszubilden. Das hat verschiedene Gründe. Krankenhäuser, Altenheime und andere Pflegeeinrichtungen brauchen fachkundiges Personal, das sich neben der reinen Pflege auch in betriebswirtschaftlichen Themen auskennt. Da hilft ein duales oder berufsbegleitendes Studium. Auch für die Studierenden ist das interessant, denn sie verdienen neben dem Studium Geld und sammeln Berufserfahrung und Kontakte, die für ihre spätere Karriere hilfreich sind.

Aber auch Pflegefachkräfte ohne Studium werden dringend gebraucht. Wenn sich also zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter oder ein alleinerziehender Vater für eine Pflegeausbildung interessieren, möchte man sie nicht abweisen, nur weil sie keine Zeit für eine Vollzeit-Ausbildung haben. Stattdessen bietet man ihnen die Teilzeit-Ausbildung an.

Quereinsteiger sind in unseren Einrichtungen gerne gesehen, denn sie sind meist sehr motiviert und haben sich sehr bewusst dafür entschieden, in der Mitte des Berufslebens in einen Beruf „mit Sinn“ zu wechseln. Doch sie haben bereits eine Familie oder Haus und Auto und müssen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Eine normalerweise schulische Ausbildung wie Erzieher oder Heilerziehungspfleger, bei der es in den ersten beiden Jahren keine Vergütung gibt, kommt für sie nicht infrage. Um solche Ausbildungen für Quereinsteiger interessant zu machen, wurden die dualen oder berufsbegleitenden Modelle konzipiert.

In unserer Karriereberatung interessieren sich besonders Quereinsteiger und Alleinerziehende für die neuen Ausbildungen im Teilzeit- oder berufsbegleitenden Modell. Sie möchten sich neben der Ausbildung um ihre Familie kümmern oder Geld für den Lebensunterhalt verdienen. Aber nicht alle neuen Ausbildungsmodelle sind für jeden geeignet. Für Personen, die wegen ihres Privatlebens weniger Zeit für die Ausbildung haben, kommt eine Teilzeit-Ausbildung infrage, aber eben nicht jede Teilzeit-Ausbildung (siehe „Was ist eine Teilzeit-Ausbildung?“). Teilzeitausbildungen ohne Verlängerung der Ausbildungszeit, die eigentlich berufsbegleitende Ausbildungen sind, sind vom zeitlichen Aufwand her nicht weniger aufwändig als eine Vollzeit-Ausbildung. Allerdings darf man bei Teilzeit- und berufsbegleitenden Ausbildungen, die für Quereinsteiger konzipiert sind, darauf offen, dass der Arbeitgeber flexibler auf die Bedürfnisse der Azubis bezüglich Arbeitszeiten und Abgabe von Hausaufgaben und Projekten eingeht als bei der Vollzeit-Ausbildung.

Auch das Thema Lebensunterhalt ist mit der berufsbegleitenden Ausbildung nicht automatisch geklärt. Denn es gibt zwar immerhin eine Vergütung, aber die ist meist geringer als das Gehalt, welches ein Quereinsteiger in seinem Erstberuf und für eine Vollzeit-Tätigkeit bekommen hat, bevor er die berufsbegleitende Ausbildung begann. Tipps zur Finanzierung und Vergütung gibt es weiter unten.

Der Praxisteil, der entweder Bestandteil des neuen Ausbildungsmodells ist (wie zum Beispiel bei der dualen Erzieher- oder Heilerziehungspfleger-Ausbildung oder dem dualen Studium) oder eigenständig als Berufstätigkeit neben der Teilzeit-Ausbildung steht, wird vergütet. Es kann sich also um eine Ausbildungsvergütung handeln oder um eine Vergütung als Teilzeit-Assistenzkraft oder sogar Teilzeit-Fachkraft. Bei einem berufsbegleitenden Studium kann man es sogar teilweise so mit dem Arbeitgeber verhandeln, dass man die Vollzeit-Fachkraft-Vergütung erhält und für das Studium phasenweise freigestellt wird. Das läuft dann unter Personalentwicklung.

Die Höhe der Vergütung hängt also von dem konkreten Ausbildungsmodell ab und von dem Tarif, nach dem in der jeweiligen Einrichtung gezahlt wird. Es gibt in der Diakonie einen bundesweiten Tarif und verschiedene regionale Tarife. Weitere Informationen zu den Tarifen und Vergütungen bei der Diakonie gibt es hier. Je nachdem, welche Sichtweise man einnimmt, ist die Vergütung während der Teilzeit- oder berufsbegleitenden Ausbildung besser oder schlechter. Für Erzieher oder Heilerziehungspfleger gilt: Immerhin erhalten sie in den neuen Ausbildungsmodellen von Anfang an eine Vergütung, was bei den alten Ausbildungsmodellen nicht der Fall ist. Im Vergleich zum Vollzeit-Gehalt in einem vorherigen Beruf kann die Ausbildungsvergütung oder Teilzeit-Vergütung natürlich geringer sein. Ein Quereinstieg geht meist mit vorübergehenden finanziellen Einbußen einher, wenn man vorher berufstätig war. Das Problem haben aber alle Azubis und Quereinsteiger und darum gibt verschiedene Tipps und Hilfen zur Finanzierung der Ausbildung. Unsere Quereinsteiger sagen: Wenn man dafür nach einigen Jahren endlich in einem Beruf arbeitet, der einen glücklich macht, lohnt sich die Durststrecke!

Folgende Fachschulen bieten Teilzeit- oder berufsbegleitende Modelle an:

Bei dieser Liste handelt es sich nur um einen Auszug aus unserem Angebot. Weitere Ausbildungsstätten könnt ihr in unserer Ausbildungsstätten-Suche recherchieren.

Zusätzlich zum Ausbildungsplatz an der Fachschule braucht ihr einen Praxis-Ausbildungsplatz (bei der dualen Heilerziehungspflege- und Erzieher-Ausbildung) beziehungsweise einen Teilzeit-Anstellungsvertrag in einer Sozial- oder Pflegeeinrichtung (für alle anderen Teilzeit- und berufsbegleitenden Modelle). Dafür kommen praktische alle diakonischen Einrichtungen infrage, ihr könnt euch überall vor Ort bewerben.

Alle Ev. Hochschulen bieten berufsbegleitende oder duale Studiengänge an. Darum zählen wir sie hier nicht einzeln auf. Die Hochschulen sind ebenfalls in unserer Ausbildungsstätten-Suche gelistet.

Unsere Expert*innen

Für die Antworten danken wir unter anderen den Expert*innen Sandy Ott, Leiterin der Schulen für Gesundheits- und Pflegeberufe der Stiftung Kreuznacher Diakonie; Annette Hild-Berg, Leiterin der Akademie Michaelshoven und Franka Rother, Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Ev. der Paul Gerhardt Diakonie Berlin sowie Wolfgang Kern von der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, Bildungszentrum Lobetal.

 

Text: Daniela Singhal, Maja Schäfer