Pflegefachfrau *mann: ehemals Altenpflege und (Kinder-)Krankenpflege

Johanna (21)

„Die neue Pflegeausbildung ab 2020”

Johanna lernt an der Wannsee-Schule Berlin. Seit vielen Jahren wird die generalistische Pflegeausbildung dort als Modell-Projekt erprobt. Ab 2020 wird sie überall als einzige Pflegeausbildung angeboten.

© privat

Infos zur neuen Pflegeausbildung

Nächstes Jahr, 2020, startet die neue Pflegeausbildung, die der Bundestag im Pflegeberufereformgesetz beschlossen hat – auch in den Ausbildungsstätten der Diakonie! Vielleicht habt ihr unter dem Titel „Generalistische Pflegeausbildung“ oder „Ausbildung zum Pflegefachmann / zur Pflegefachfrau“ schon davon gehört und habt jetzt viele Fragen. Hier gibt es Antworten:

Ihr könnt die neue Pflegeausbildung an jeder bisherigen Altenpflegeschule und Krankenpflegeschule in Deutschland absolvieren. Die bisherigen Ausbildungen zum Altenpfleger, zum Gesundheits- und Krankenpfleger oder zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger (w/m/d) und die Unterscheidung in Alten- und Krankenpflegeschulen wird es in der Form wie bisher nicht mehr geben. Allerdings wird es neben dem Abschluss Pflegefachmann / Pflegefachfrau weiterhin über Sonderwege die Abschlüsse zum Altenpfleger und Kinderkrankenpfleger geben sowie mögliche Vertiefungseinsätze in der Altenpflege und der Kinderkrankenpflege. An einigen Schulen laufen bereits seit vielen Jahren Modellprojekte zur generalistischen Pflegeausbildung, die jedoch noch nicht zum Abschluss Pflegefachmann / Pflegefachfrau führen. Die neue Pflegeausbildung im Sinne des Pflegeberufereformgesetzes wird überall erst ab 2020 angeboten. So auch in unseren Ausbildungsstätten!

Der erste Jahrgang der neuen Pflegeausbildung startet in den allermeisten Ausbildungsstätten im Sommer oder Herbst 2020. Einzelne Altenpflegeschulen haben bisher zwei Ausbildungsdurchläufe pro Kalenderjahr angeboten und starteten mit dem ersten bereits im April. Ob das in Zukunft noch möglich sein wird oder ob sich diese Altenpflegeschulen an die Krankenpflegeschulen mit nur einem Durchlauf pro Jahr anpassen müssen, ist noch unklar. Die Bewerbungsphase für den Start im Sommer liegt jedenfalls meist im Frühjahr, für den Start im Frühjahr, wenn er noch möglich sein sollte, meist Anfang des Jahres und ist von Ausbildungsstätte zu Ausbildungsstätte unterschiedlich. Bitte informiert euch direkt in unseren Alten- und Krankenpflegeschulen über die jeweiligen Bewerbungsfristen. Aber wundert euch nicht, wenn ihr dort noch keine Informationen auf den Webseiten findet, denn viele stecken in den praktischen Vorbereitungen für die neue Pflegeausbildung und werden erst im nächsten Jahr mit der Öffentlichkeitsarbeit beginnen.

Ihr müsst gar nichts tun. Die Ausbildung nach dem auslaufenden Modell wird in einer Übergangsphase zu Ende geführt. Euer Abschluss gilt weiterhin und ihr könnt weiter in eurem Beruf als Pflegefachkraft arbeiten. Weil viele von euch nachfragen: Eine Weiterbildung zum Pflegefachmann / zur Pflegefachfrau in dem Sinne gibt es nicht. Es handelt sich um die neue Form der Pflegeausbildung, die zukünftige Generationen von Pflegekräften absolvieren. Laut Gesetz gibt es aber die Möglichkeit, die Ausbildung auf Antrag zu verkürzen, indem eine andere gleichwertige Ausbildung auf bis zu zwei Drittel der Ausbildungsdauer angerechnet wird. Diese Regelung wird auch für die bisherigen Abschlüsse als examinierter Altenpfleger, Kranken- oder Kinderkrankenpfleger gelten. Man könnte also eine verkürzte Ausbildung zur Pflegefachfrau / zum Pflegefachmann absolvieren, um den Abschluss auch noch zu bekommen, wenn man unbedingt möchte. Die Abschlussprüfung wäre komplett zu absolvieren. Aber wie gesagt, das ist eigentlich nicht notwendig.

Weitere Informationen zu den Hintergründen der neuen Pflegeausbildung findet ihr im Themenschwerpunkt zur Generalistischen Pflegeausbildung im Infoportal der Diakonie Deutschland.

Pflege mit feinen Unterschieden

Portrait von Pflegefachfrau Carolin
© privat

Carolin lernt im neuen Ausbildungsmodell gleich mehrere Pflegeberufe kennen.

Pflege ist Pflege - egal ob du jüngere oder ältere Menschen pflegst. Die feinen Unterschiede kannst du viel besser verstehen, wenn du dich in allen Pflegebereichen auskennst - so wie Carolin. Sie lernt viel über Medizin, Pflegewissenschaft und Ernährung.

Ihr schönstes Ausbildungserlebnis bei den Diakonissen Speyer-Mannheim hatte die 22-Jährige beim Praktikum auf der Inneren Station. Einer ihrer Patienten hatte im Altersheim ein ganzes Jahr lang kein Wort mehr gesprochen. "Ich hab‘ ihm sein Essen gebracht und mir einfach Zeit für ihn genommen", erzählt sie, "Und auf einmal fing der Mann an, mit mir zu reden!" Seit sie drei Jahre alt ist, will Carolin Pflegerin werden. "Mein kleiner Bruder war damals sehr krank", erzählt sie, "und die Damen, die ihn pflegten, haben mich echt beeindruckt!" Nach drei Pflegepraktika in Klasse 9, Klasse 11 und nach dem Abi war die Sache endgültig klar.

Auf einen Blick

  • Die generalistischen Pflegeausbildung mit dem Abschluss Pflegefachfrau *mann wurde 2017 von der Bundesregierung beschlossen und startet 2020.
  • Auszubildende verdienen bei der Diakonie je nach Tarif, Ausbildungsjahr und Bundesland: 780 bis 1.217 Euro (Stand 08/2018).
  • Mit dem Abschluss Pflegefachfrau *mann kannst du anschließend in der Altenpflege, Krankenpflege oder Kinderkrankenpflege arbeiten.
  • Berufseinsteiger/innen in der Pflege bei der Diakonie verdienen 2.428 bis 2.910 Euro (Stand 08/2018).

Passt der Beruf zu mir?

Gesund bleiben will gelernt sein

Interessant zu wissen: Die Pflegeausbildungen haben sich in den vergangenen Jahren sehr verändert. "Heute steht nicht mehr die Krankheit, sondern die Gesundheit im Vordergrund", erklärt Tanja Schaller, die Schulleiterin in Speyer. "Wir zeigen dem Patienten, wie er mit seiner Krankheit gut leben und Folgeerkrankungen verhindern kann." In der generalistischen Pflegeausbildung geht’s immer um jedes Lebensalter, zum Beispiel beim Thema Ernährung: Welches Essen brauche ich als Kind, als 40-Jähriger und als Senior, um gesund zu bleiben?

Ganz gleich in welcher Pflegeeinrichtung: Es gibt jede Menge zu tun. Ob du gerade mit einem Patienten sprichst oder Spritzen sortierst - oft scheint die Zeit davonzurennen. "Der Job kostet Kraft", merkt Carolin, "Deshalb will ich mir für die Zukunft auch andere Optionen offenhalten." Die 22-Jährige peilt ein Gerontologie-Studium an.

Die Azubis der Diakonissen können ihr Wahl-Praktikum im Ausland machen. Carolin war vier Wochen in einer Ambulanz in Nairobi: "Der Standard der medizinischen Versorgung dort hat mich geschockt!", sagt sie und schwärmt doch im nächsten Atemzug von den faszinierenden Menschen und Märkten in Afrika. "Das Leben ist in Afrika intensiver, zum Beispiel haben die Mütter eine ganz enge Bindung zu ihren Kindern." Andere Pflege-Absolventen aus Speyer arbeiten in der Schweiz oder sind als Professional Au-pairs in Amerika unterwegs.

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